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3* RIDE, Ukraine

3-Sterne Ride in die Ukraine

Um ehrlich zu sein, war ich kurz vor dem Ride nicht besonders motiviert. Warum soll man sich den Stress geben, in der Weihnachtszeit 19 Stunden in einem unbequemen Auto in ein Land zu fahren, dessen Sprache man nicht spricht und in dem auch noch Krieg herrscht, anstatt daheim gemütlich mit der Familie Weihnachten zu feiern und sich zu erholen? Warum es sich auf jeden Fall gelohnt hat, möchte ich hier berichten:

Wie wird es sein, in ein Kriegsland zu reisen? Was wird uns erwarten? Wir hatten viele Fragen im Kopf als wir am 2. Weihnachtsfeiertag frühmorgens Richtung Ukraine aufbrachen. Wir legten die Reise in Gottes Hände. Sein Schutz und seine Führung waren nicht nur an der Grenze bedeutungsvoll, an der wir mit unseren circa 600 Päckchen ohne Probleme durchgelassen wurden, sondern auch in Polen als ein plötzlicher Eisregen die Straße in eine spiegelglatte Fläche verwandelte. Mehrere Unfallautos am Straßenrand ließen uns dankbar für Bewahrung werden, als wir an unserem Zielort Ljubomel nahe der polnischen Grenze ankamen und müde in die Betten unseres Hotels fielen. Wie sehr wir auf Gottes Schutz angewiesen sind, wurde uns auf der Rückreise bewusst, die nicht ganz so glimpflich verlaufen ist, aber dazu später mehr.

Unsere Tage in Ljubomel waren kalt und der Himmel meist trüb und grau, als würde das Wetter die Bedrückung des vom Krieg geprägten Landes widerspiegeln. Allerdings war es für uns so nahe an der Grenze nicht ersichtlich, dass wir uns in einem Kriegsland befanden und wir fühlten uns durchgehend sicher. Lediglich Erinnerungsplakate von gefallenen Soldaten in der Stadt, ließen uns der Tragödie bewusstwerden, die hier im Land geschieht und ansatzweise erahnen, was in den Menschen vor sich geht. Immer wieder hörten wir davon, dass einige der Kinder Binnenflüchtlinge sind oder ihre Väter verloren haben.

Wir wurden von unseren ukrainischen Glaubensgeschwistern sehr herzlich aufgenommen und überaus köstlich und reichhaltig versorgt. Die Gastfreundschaft zu erleben, berührte uns sehr und teilweise hatten wir das Gefühl, als würden wir mehr bekommen als geben. Es war teilweise unfassbar für uns, dass allein unsere Anwesenheit den Ukrainern viel bedeutete. Die Tatsache, dass wir uns in ihr Land aufgemacht haben, das aufgrund des Krieges von den meisten eher gemieden wird, war für sie eine Ermutigung. Trotzdem fühlten wir uns manchmal hilflos, da wir weder den Krieg beenden, noch die Armut beseitigen, oder die gefallenen Männer zurückholen können. Aber was wir tun können, ist Hoffnung bringen, die über die Umstände hinausgeht. Das Ziel unseres Einsatzes war es, mit den Päckchen von Strahlenden Augen Gottes Liebe weiterzugeben, ein Lächeln, eine Umarmung, für sie zu beten und ihnen zu zeigen, dass Menschen in Deutschland an sie denken.

Während des Einsatzes arbeiteten wir mit der ukrainischen Partnergemeinde vor Ort eng zusammen. Diese Kirchengemeinde ist ein perfektes Beispiel dafür, dass Gott das Zerbrochene und das, was in der Welt verachtet ist, für seinen Dienst nutzt. Da die meisten Männer im Krieg sind, wird diese Gemeinde nun von vielen ehemaligen Drogenabhängigen und früheren Verbrechern geleitet, die nicht in den Krieg durften. Gott gebraucht sie dort. In diese Gemeinde sind wir am Sonntag auch in den Gottesdienst gegangen. Obwohl die Gottesdienstlänge den Deutschen Durchschnitt weit überschritten hat, war es berührend mit unseren Geschwistern zusammen vor Gott zu stehen, ihn auf verschiedenen Sprachen zu loben und unsere Bitten vor ihn zu bringen. Wie gut, dass unser Gott alle Sprachen versteht 🙂 Während des Gottesdienstes hatten einige von uns die Möglichkeit mit den Ukrainern persönlich zu beten, sie zu segnen und ihnen so zu dienen.

Der Hauptbestandteil unseres Aufenthalts lag in der Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Team, das ein abwechslungsreiches Programm für die Kinder vorbereitet hatte. Wir fuhren zu drei verschiedenen Orten und durften mit Liedbeiträgen, Spielen, Andachten und Tänzen unterstützen. Dabei ging es vor allem darum, den Kindern vom Evangelium zu erzählen, ihnen Gottes Liebe weiterzugeben und ihnen inmitten des Leids, das viele durch Flucht oder den Tod von Familienangehörigen und Freunden erlebt haben, eine Freude zu machen. Zum krönenden Abschluss verteilten wir jedes Mal die Päckchen. Auch wenn die sprachliche Verständigung nur schwer funktionierte, war es wunderschön zu sehen, wie die Kinder sich über die Päckchen gefreut haben. Es gab zwar manche Kinder, die etwas enttäuscht waren, aber bei den allermeisten gab es wortwörtlich strahlende Augen. Ein Beispiel hierfür ist Amina, auf die ich bei unserer ersten Verteilaktion aufmerksam wurde, als sie gerade ihren Karton öffnete. Sie vermittelte mir mit Zeichen, dass der Karton eher für einen Jungen gedacht war und für sie als junges Mädchen nicht so gut passte. Da wir genug Kartons hatten, war es kein Problem diesen auszutauschen. Ich fand einen Karton, der für eine 8-Jährige gepackt war. Wie sich herausstellte, hatte Amina genau dieses Alter. Perfekt! Ich habe mich total gefreut zu sehen, wie ihre Augen anfingen zu strahlen, als sie die Geschenke auspackte, die im Karton enthalten waren, unter anderem Glitzersticker und pinke Kuschelsocken. Es passte perfekt für sie. Begeistert hielt sie die Geschenke in die Höhe und gab mir einen Daumen nach oben. Wie schön, dass Gott es so geführt hatte, dass ich auf sie aufmerksam wurde und sie schlussendlich den perfekten Karton bekommen hat.

Sprachlich stießen wir als Deutsche immer wieder an unsere Grenzen. Zwar gaben wir uns redliche Mühe, wenigstens ein paar Brocken ukrainisch wie „Danke“ oder „Mein Name ist…“ zu lernen, jedoch blieb es eine der größten Herausforderungen mit den Ukrainern in Kontakt zu kommen. Insofern war der abendliche Jugendgottesdienst, den wir zu großen Teilen mitgestalten durften, ein absolutes Highlight. Sowohl wir Deutschen als auch die Ukrainer hatten einen unglaublichen Spaß und haben viel gelacht. Es hat sich gezeigt: Auch wenn es sonst oft schwer ist mit den Ukrainern zu kommunizieren: Lachen kennt keine Sprachbarrieren, sondern verbindet. Auch wenn die sprachliche Barriere uns teilweise frustrierte und wir den Kindern dadurch nicht viel sagen konnten, konnten wir sie doch jederzeit segnen und für sie beten. Das ist das Entscheidende, dass Gott ihre Herzen bewegt und ihnen seine Hoffnung und Liebe schenkt, die unabhängig von den schlimmen Umständen ist. Vielleicht war es eines unser Lächeln, unserer mühsam gelernten Worte auf Ukrainisch, das Programm oder die Päckchen, die Gott genutzt hat, um sie zu erreichen.

Besonders schön war es zu sehen, wie wir hier als Ride-Team zusammengewachsen sind. Obwohl wir uns vorher nicht kannten, hat uns das gemeinsame Ziel, den Menschen in der Ukraine, ganz besonders den Kindern, Hoffnung und Gottes Liebe weiterzugeben, zusammengeschweißt. Jeder wurde gebraucht und konnte sich einbringen. Die einen brachten ihre technischen Fertigkeiten ein und kümmerten sich um unsere Autos, während andere sich eher an der Mitgestaltung des Programms beteiligten. Jeder von uns wurde herausgefordert und ermutigt, Neues auszuprobieren. Wir durften aus unserer Komfortzone herauskommen und wachsen, so standen manche zum ersten Mal vor einer großen Menge auf der Bühne, hielten eine Predigt, sangen im Lobpreis, sprangen als Übersetzer ein oder leiteten Spiele für die Kinder und Jugendlichen an. Natürlich war es nicht immer leicht und einige Male klappte es auch nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber um Perfektion ging es nicht, sondern darum Gottes Liebe weiterzugeben.

Ein großes Wunder durften wir auf unserer Heimreise erleben. Bei der Durchfahrt in Polen wurde uns der Schneefall zum Verhängnis. Eines unserer Autos wurde in einen größeren Unfall mit mehreren Autos verwickelt. Gott sei Lob und Dank wurde niemand verletzt. In Bautzen konnten wir in einer Gemeinde für die Nacht unterkommen und kamen letztendlich zwar einen Tag später, aber bewahrt von einer ereignisreichen und gesegneten Reise zurück.

Man mag sich vielleicht fragen, ob es einen Unterschied gemacht hat, dass wir dort waren? Was konnten wir schon verändern? Ja es mag sein, dass wir uns manchmal etwas hilflos gefühlt haben und uns unser Dienst wenig vorkam, da wir ihre Situation nicht ändern konnten. Aber das Wertvollste, das wir haben, konnten wir ihnen geben: Unsere Zeit und Aufmerksamkeit, Gebet und Segen und die liebevoll gepackten Päckchen. Wir beten, dass die Liebe Gottes und das Evangelium, das wir zusammen mit dem ukrainischen Team weitergeben durften, die Herzen verändert und Hoffnung schenkt.